Digitale Hochschullehre – Der Hörsaal der Zukunft

Im digitalen Zeitalter stehen die Hochschulen vor der Herausforderung, innovative Technologien sinnvoll, praktisch und lernförderlich einzusetzen. Das BMBF fördert Projekte für neue Formen des akademischen Lehrens, Lernens und der Wissensproduktion.

​ Hochschullehre heute

Hochschullehre heute

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Die Hochschulen stehen bei der Digitalisierung ihrer Strukturen und Handlungsfelder vor großen Herausforderungen: Sowohl auf strategischer Ebene als auch in der Lehre und Forschung arbeiten sie mit unterschiedlichen Ansätzen und Konzepten. Die Digitalisierung kann dazu beitragen, akademische Lehre attraktiver, individualisierter, effektiver und flexibler zu gestalten. Neben der Lehre selbst verändert die Digitalisierung auch angrenzende Bereiche, z.B. des Prüfens. Die Anzahl der Studierenden wird zusehends größer, und zugleich wird die Studierendenschaft immer heterogener. Dies lässt sich mit digitalen Instrumenten besser bewältigen.

Mehr Bildungstechnologien stehen zur Verfügung

Es geht um die Fragen, welche fachspezifischen Themen und Inhalte, welche didaktischen Methoden und welche Technologien so eingesetzt werden können, dass sie einen echten Lernvorteil bieten und der Studienalltag für Studierende flexibler wird. Digitale Lehr-Lernformen sowie Prüfungs- und Beratungskonzepten sind jedoch noch nicht so weit verbreitet, obwohl die Bildungstechnologien an den Hochschulen in den vergangenen zehn Jahren einen enormen qualitativen Sprung gemacht haben: Die Möglichkeiten, große Mengen von Lernerdaten mit komplexen Methoden zu analysieren, haben sich verbessert. Lehrende können einfach Aufzeichnungen von Vorlesungen bereitstellen und zum Beispiel in einem sogenannten flipped-classroom-Konzept anwenden – einem Konzept, in dem der Wissenserwerb auf individuelle Lernphasen verlagert und die Präsenzzeiten im Vorlesungssaal für interaktive Formate genutzt werden. Innovative Technologien wie virtuelle Labore und digital steuerbare Maschinenhallen erlauben es, Lehre und Forschung stärker miteinander zu verknüpfen. Mit diesen Bildungstechnologien konnten viele Lehr- und Lernideen angestoßen werden. Jedoch existiert zu wenig wissenschaftlich fundiertes und praktisches Wissen zum Einsatz und zur Gestaltung von digitalen Lehr-Lernformaten, das es Dozentinnen und Dozenten ermöglicht, mit digitalen Medien ihre Lehrmethodik aufzuwerten.

Prüf- und Lernszenarien sowie forschungsorientiertes Lernen im Fokus

Das Bundesforschungsministerium fördert Projekte, die sich unterschiedlichen Anwendungsfeldern widmen – mit einem Fokus auf denjenigen Projekten, die praktisches Handlungswissen und Rahmenbedingungen erschließen. In einer ersten Förderlinie werden seit März 2017 Projekte mit insgesamt rund 12 Millionen Euro gefördert. Sie umfassen drei didaktisch-technologische Themenfelder:

  • Adaptive Lern- und Prüfungsszenarien

Unter Einsatz analytischer Methoden zur Auswertung von im Lernprozess erzeugten Daten (learning analytics) entwickeln Projekte Möglichkeiten, digitale Lern- und Prüfungsszenarien adaptiv an die Bedürfnisse und Wissensstände der Lernenden anzupassen. Zudem erforschen die Projekte onlinegestützte Testsysteme, die sich adaptiv an das Niveau der Lernenden anpassen können, und so Erkenntnisse für die Beratung und Unterstützung von Studierenden beispielsweise für die erste Studienphase liefern.

  • Interaktivität und Multimedialität digitaler Lernszenarien

Digitale, multimediale Lernumgebungen und die darin liegenden Möglichkeiten für interaktive Lernformen bieten neue Chancen, Individualität sowie Lern- und Nutzungsgewohnheiten von Lernenden mit einzubeziehen. Projekte in diesem Themenfeld erforschen Prinzipien interaktiver Lernprozesse sowie die Wege, diese multimedial zu unterstützen.

  • Innovatives forschungsorientiertes Lernen

Im Zuge der Debatte um Kompetenzorientierung in der Hochschulbildung ist die Frage der Verbindung von Lehre und Forschung bzw. von Theorie und Praxis, zentral. Innovative Technologien sollen dazu genutzt werden, dass Studierende diese Bezüge unmittelbarer erfahren können. Projekte in diesem Themenfeld haben das Ziel, konkrete digitale Gestaltungsprinzipien (z. B. Geräte, die natürliche Lernumwelten der Studierenden erweitern können, virtuelle Labore) im Kontext von Theorie und Praxis zu definieren.

Eine zweite Förderlinie widmet sich künftig spezifischen digitalen Bildungsthemen, bei der besonders innovative didaktische, technologische oder organisatorische Aspekte einer digitalen Lehre untersucht werden sollen. Beispiele könnten hier die Nutzung von digital unterstütztem problem- oder projektbasierten Lernen zur fundierten Kompetenzbildung oder der Einsatz von Educational Data Mining und Learning Analytics für eine stärkere Individualisierung des Lernens sein.


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Forschung zur digitalen Hochschulbildung