Rückblick: Die Stakeholder-Konferenz zum digitalen Wandel in der Bildung

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Kultusministerkonferenz (KMK) diskutierten im Juni 2016 mit Akteuren aus Bildungspraxis, Gesellschaft und Politik über den digitalen Wandel in der Bildung.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka war zu Gast bei der Stakeholderkonferenz „Digitaler Wandel in der Bildung: Perspektiven für Deutschland“

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka war zu Gast bei der Stakeholderkonferenz „Digitaler Wandel in der Bildung: Perspektiven für Deutschland“.

Wolfgang Borrs für das BMBF

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Kultusministerkonferenz (KMK) haben im Juni 2016 auf der Stakeholder-Konferenz „Digitaler Wandel in der Bildung: Perspektiven für Deutschland“ zusammen mit Akteuren aus der Bildungspraxis, Gesellschaft und Politik die unterschiedlichen Gestaltungsfelder für den digitalen Wandel in der Bildung diskutiert.

Die Digitalisierung verändert alle Ebenen der Gesellschaft. Bund und Länder sind sich einig, dass sie insbesondere im Bildungsbereich große Verantwortung tragen, diesen Wandel mitzugestalten. Digitale Kompetenz wird zur Schlüsselqualifikation in nahezu allen Berufszweigen und kann als Teil der Allgemeinbildung angesehen werden. Ziel muss es sein, den Zugang zum digitalen Bildungserlebnis entlang der gesamten Bildungskette zu erleichtern – von der frühkindlichen Bildung bis hin zum Lernen im Erwachsenenalter. Dieser Prozess des lebenslangen Lernens wird die kommenden Jahrzehnte prägen. 

Die damit verbundenen Herausforderungen lassen sich durch vier Leitfragen definieren, die auf der Konferenz in vier Workshops thematisiert wurden:

Wie sieht die digitale Zukunft des Lehrens und Lernens aus?

Durch den Einsatz digitaler Lernmedien verändern sich die Beziehung und das Rollenverständnis von Lehrenden und Lernenden. Lehrende werden zu Lernprozessbegleitenden von selbst aktiv Lernenden. Der Wissens- und Kompetenzerwerb verändert sich: Die Balance zwischen Faktenwissen und der Kompetenz, das zu finden, was man braucht, verschiebt sich zugunsten der Recherchekompetenz. Medienbildung und Medienkompetenz sind dabei als unverzichtbare Bestandteile von Allgemeinbildung und Rüstzeug für die Arbeitswelt von morgen. Diese (digitalen) Veränderungsprozesse und die damit verbundenen Lernergebnisse müssen definiert werden. Ziel ist es, sich in einer digital geprägten Welt selbstbestimmt zu bewegen und verantwortungsbewusst zu agieren.

Wer sind die Akteure, und welche Kooperationen entlang der Bildungskette sind notwendig, um ein Ökosystem digitaler Bildungsmedien aufzubauen?

Digitale Medien ermöglichen neue Formen der Kooperation in der Konzipierung, Entwicklung, Erstellung und Nutzung von Lernmedien. Durch die Möglichkeiten der Digitalisierung und Vernetzung werden Lernmedien nicht mehr nur innerhalb des Lehrerzimmers oder Lehrstuhls weitergegeben, sondern auch schul- und hochschulübergreifend geteilt.

Anhand des Konzepts von „Open Educational Resources“ (OER) lässt sich bereits beobachten, wie sich die Rollen in einem „Ökosystem digitaler Bildungsmedien“  verändern könnten. Wo Verlage und staatliche Einrichtungen weiterhin den Grundsatz an Lernmedien bereitstellen, werden diese von Lehrenden aufgegriffen, umgestellt, eingesetzt, weiterentwickelt und zur weiteren Nutzung in ein digitales System überführt. Lehrende, und zu einem steigenden Anteil auch Lernende, kooperieren miteinander und werden zu Mitproduzenten digitaler Bildungsmedien.

Ziel muss es sein, ein geeignetes „Ökosystem digitaler Bildungsmedien“ zu schaffen, das, unter Einbezug föderalistischer Grundstrukturen, allen Akteuren in der Bildungskette die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen bietet, nachhaltig als starke Partner zusammenzuarbeiten. Lehrende und Lernende von der Schule bis zum Studium und zur Erwachsenenbildung müssen hier als Hauptakteure in erheblichem Maße am Digitalisierungsprozess mitwirken.

Wo findet man bereits jetzt digitale Innovationen in der Bildung, und wie gestaltet sich der Prozess vom guten Beispiel zur breiten Anwendung? 

Die Nutzung innovativer digitaler Lernformate und -medien muss bundesweit auf allen Bildungsebenen bekannt gemacht werden, so dass entsprechende kommunale, regionale sowie nationale bzw. internationale Vernetzungen innerhalb der Einrichtungen bzw. auch zwischen Einrichtungen entstehen können.

Eine Herausforderung werden die Gewinnung und Überzeugung von weiteren Unterstützern bzw. Lehrenden, die ihre Best Practice Anwendungen in die Welt bringen und so zum deutschlandweiten Wissens- und Know-how-Transfer beitragen. Dies ist keine leichte Aufgabe, da Wandel Veränderung und eine Öffnung für Neues bedeutet. Überzeugende Argumente für eine Nutzung digitaler Medien beziehen sich auf die Notwendigkeit des Kompetenzerwerbs bei Schülern und Studierenden, die möglichen Arbeitserleichterungen, da z. B. Vorlesungen aufgezeichnet werden können, oder einen stärkeren Fokus auf die Rolle des Lernbegleiters.

Für bestimmte Bildungsbereiche, wie etwa die schulische Bildung, gibt es zentrale digitale Plattformen für digitale Medien. Auf Länderebene spielen die Landesinstitute für Schule und Medien eine wichtige Rolle, ebenso Konstrukte wie z. B. ein „virtueller Campus“, die als landeszentrale Institutionen Hochschulen bei der Umsetzung von digitaler Lehre unterstützen. Solche Plattformen könnten stärker auf den Austausch zwischen Praktikern oder auf die Bereitstellung von Fachinformationen und guten Beispielen ausgerichtet sein.

Einige Plattformen sind auch bildungsbereichsübergreifend aufgestellt und beziehen sich etwa auf die Vernetzung privater und öffentlicher Akteure im Bereich der digitalen Bildung, um Beispiele guter Praxis und aktuelle Entwicklungen bekannt zu machen, aber auch um Konzepte für digitale Infrastrukturen zu diskutieren.

Die bisher genannten Kooperationsformen zielen eher auf Information, Erfahrungsaustausch und wechselseitige Bereitstellung von Lernmedien ab. Daneben gibt es ebenso stärker auf die gemeinsame Verwertung von Bildungsangeboten in einer engeren und formaler geregelten Kooperation ausgerichtete Verbünde; diese Verbünde vereinen üblicherweise Partner innerhalb eines Bildungsbereichs.

Wie ist Deutschlands Position als Produktanbieter im globalen Bildungsmarkt einzuschätzen?

Bei der Verwirklichung digitaler Bildung müssen wir uns in allen Handlungsfeldern auf Erfahrungen, gute Beispiele und den Austausch auf internationaler Ebene stützen. Zugleich wird die digitale Bildung dazu beitragen, dass Deutschland international zu einem noch attraktiveren Bildungs-, Arbeits- und Lebensort wird.

Fundierte Überlegungen hinsichtlich der Gestaltung des digitalen Lernens greifen zu kurz, wenn sie sich nur auf Deutschland richten. Hinzu kommt, dass Bildung „Made in Germany“ weltweit nachgefragt wird. Initiativen wie „Wirtschaft 4.0“ und die Verbindung von Produktion und Lernen sind Treiber in diesem Prozess. Ein Ansatz für die Digitalisierungsstrategie deutscher Bildungsanbieter kann die Dualität von Lernorten sein.

Zur Stärkung des Standortes Deutschland als internationaler Anbieter digitaler Medien in der Bildung wäre es für die Zukunft wichtig, Potenziale für die internationale Positionierung digitaler Bildung „Made in Germany“ zu identifizieren und zu adressieren. Dies kann die Entwicklung von bundesweiten Platt-formen für digitale Angebote und international sichtbare Dachmarken einschließen.

„Gute Initiativen für digitale Bildung gibt es bereits viele, doch das Gesamtbild ist bislang noch von Insellösungen gekennzeichnet. Daher arbeitet das BMBF an seiner strategischen ‚Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft'. Wir wollen das Potenzial des Lernens mit digitalen Medien übergreifend für alle Bildungsbereiche erschließen“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Zukünftig muss geklärt werden, wieviel Digitalisierung und welche Formen von digitaler Bildung gebraucht werden, welche zentralen Herausforderungen der Digitalisierung für Didaktik und Methoden entstehen und wie sich die Rollenverständnisse von Lehrenden und Lernenden verändern.

Das BMBF sieht große Chancen in der Digitalisierung und der gleichzeitigen Verbesserung des Bildungsangebotes in Deutschland. Unterstützungsmaßnahmen werden daher auf den vermehrten Einsatz digitaler Medien, orts- und zeitunabhängiges Lehren und Lernen, individuelle Lernvoraussetzungen und somit Bildungsgerechtigkeit abzielen.

Die Digitalisierung kann auch dazu beitragen, den Bildungsstandort Deutschland international zu einem attraktiveren Ort zu machen. Hierfür können neuartige Bildungsangebote die Sichtbarkeit deutscher Bildungseinrichtungen für Auszubildende, Studierende und Fachkräfte aus anderen Ländern erhöhen. Es gilt darüber hinaus, die jungen Menschen zu befähigen und zu unterstützen mit im Netz drohenden Gefahren, wie Cybermobbing oder Cybergrooming oder auch Suchtpotenzialen umzugehen. Dafür braucht es eine altersgerechte Herangehensweise in allen Bildungsinstitutionen von der Kita bis zur Weiterbildung.

Hier gelangen Sie zur Pressemitteilung zur Konferenz.