Die Zukunft ist digital – auch in Betrieben

Die digitale Revolution zieht neue Kompetenzprofile und vielfältige Möglichkeiten in der Aus-und Weiterbildung nach sich. Das BMBF fördert Projekte, die mittlere und kleinere Betriebe darin unterstützen, neue Medien stärker zu nutzen.

Digitale Medien in Betrieben

Digitale Medienformate werden künftig eine immer größere Rolle spielen – im Berufsalltag wie auch in der Berufsausbildung.

Innovative Beispiele zeigen, dass der digitale Wandel im Arbeitsalltag angekommen ist: Stuckateure arbeiten mit 3D-Druckern, Dachdecker setzen Drohnen zur Inspektion ein, Logistiker tauschen das Klemmbrett gegen das Tablet, Anlagenmechaniker bauen Smart-Home-Technik in Häuser ein. Die Herausforderungen an die Qualifizierung von Fachkräften wachsen, gleichzeitig ergeben sich durch den Einsatz digitaler Medien in der Berufsausbildung und Berufsweiterbildung neue Chancen der Wissensvermittlung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF hat mehrere Projekte auf den Weg gebracht, um die Situation insbesondere in kleineren und mittleren Betrieben zu verbessern. 

Bestandsaufnahme digitale Medien in Betrieben

Wie ist es um die digitale Ausstattung in den Betrieben und um die konkrete Anwendung von digitalen Lern- und Arbeitsformaten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung bestellt? Das geht aus einer repräsentativen Erhebung hervor, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zusammen mit TNS Infratest Sozialforschung in 3000 Betrieben durchgeführt hat. Die Studie mit dem Titel "Digitale Medien in Betrieben – heute und morgen. Eine repräsentative Bestandsanalyse" ermöglicht damit erstmals einen Überblick über die aktuelle Nutzung digitaler Medien nach Branchen, Betriebsgrößenklassen und Regionen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. 

Die wichtigsten Fakten in Kürze: 

  • Ab einer Betriebsgröße von 20 Beschäftigten kann ausnahmslos von der Nutzung digitaler Geräte mit Internetzugang ausgegangen werden. Bei den Klein- und Kleinstbetrieben beträgt die Durchdringung immer noch 98 Prozent. Regionale Unterschiede gibt es kaum.
  • Am häufigsten vertreten sind stationäre Desktop-PCs mit Internetzugang, Smartphones, Laptops und Tablets.
  • Digitale Geräte werden vor allem zur Informationsbeschaffung und zur externen Kommunikation genutzt.
  • Technologische Neuentwicklungen wie Datenuhren oder Datenbrillen werden dagegen aktuell noch eher selten eingesetzt.
  • In den kommenden drei Jahren sieht die Mehrzahl der befragten Betriebe bei allen betrieblichen Tätigkeiten einen weiteren Bedeutungszuwachs digitaler Geräte. Bei der Nutzung privater Endgeräte gilt: Je größer der Betrieb, umso höhere Nutzungsrestriktionen seitens des Unternehmens.
  • Soziale Netzwerke, Videokonferenzen und Cloud-Dienste sind die am weitesten verbreiteten Web-2.0-Formate, werden allerdings nur von wenigen Betrieben genutzt, mit Ausnahme von sozialen Netzwerken (44%). Je größer die Betriebe, desto häufiger werden Web 2.0-Formate wie soziale Netzwerke, Cloud-Dienste etc. genutzt.
  • In der Ausbildung spielen die klassischen, nicht digitalen Lern- und Medienformate die größte Rolle. Hierunter fallen insbesondere Fach- und Lehrbücher, Präsenzformate wie Gruppengespräche etc. Unter den digitalen Medien sind fachspezifische Lernsoftware, Informationsangebote aus dem Internet und Lernprogramme am wichtigsten.
  • Insgesamt bekunden die meisten Betriebe eine positive Einstellung zur Nutzung digitaler Medien im betrieblichen Arbeitsprozess und in der Aus- und Weiterbildung.
  • Gut die Hälfte der Betriebe ist davon überzeugt, dass der Einsatz von digitalen Medien die Attraktivität der Berufsausbildung in ihrem Betrieb steigert und digitale Medien verstärkt eingesetzt werden sollten.
  • Unzufrieden ist dagegen fast jeder zweite Betrieb (46 Prozent) mit den IT-Kenntnissen seiner Auszubildenden und bewertet diese lediglich mit ausreichend. Weniger als ein Drittel (28 Prozent) bewertet die Kenntnisse als sehr gut oder gut. 

Hürden überwinden

In der Gesamtschau der Bestandsanalyse wird deutlich, dass von „Digitalisierung“ im Sinne vielfältiger Anwendungsmöglichkeiten zur Individualisierung, Flexibilisierung und Visualisierung betrieblicher Lehr- Lern- und Arbeitsprozesse momentan nur in eingeschränktem Maße gesprochen werden kann. Angesichts der sich abzeichnenden Veränderungen, die mit dem Schlagwort „Wirtschaft 4.0“ verbunden sind, haben die Betriebe insgesamt noch zu wenig Informationen darüber, wie sie die mit der Nutzung digitaler Geräte und Medien verbundenen Veränderungsprozesse effektiv, pragmatisch und betriebsspezifisch gestalten können. Das BMBF unterstützt Betriebe dabei, diese Hürden zu überwinden. 

Berufsbildung 4.0 - neue digitale Lösungsansätze vorantreiben

Das BMBF legt einen besonderen Schwerpunkt darauf, die Digitalisierung in der beruflichen Bildung zu fördern. Im Mittelpunkt der BMBF-Förderung zur Berufsbildung 4.0 steht das Programm "Digitale Medien in der beruflichen Bildung". Neben offenen Bildungsmaterialien werden weitere digitale Lösungsansätze entwickelt und erprobt, wie beispielsweise ePortfolios. Um neue digitale Lösungsansätze in kleineren und mittleren Unternehmen voranzutreiben, hat das BMBF verschiedene Förderprojekte aufgelegt. Das Sonderprogramm für die Digitalisierung in den überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) zielt darauf ab, die Ausstattung in überbetrieblichen Ausbildungsstätten zu verbessern und z.B. die Anschaffung von 3D-Druckern oder sogenannten CNC-Maschinen zu ermöglichen. Von 2016 bis 2019 werden im Rahmen des Sonderprogramms bis zu 74 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um modernste Rahmenbedingungen zu schaffen und dadurch eine zukunftsfähige Qualifizierung der Auszubildenden zu ermöglichen.

Bei der Initiative "Fachkräftequalifikation und Kompetenzen für die digitalisierte Arbeit von morgen" geht es darum, die Ausbildung entsprechend anzupassen. Gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wird anhand von 13 exemplarisch ausgewählten Berufen untersucht, wie sich die Digitalisierung auf Arbeitsprozesse und Qualifizierungsanforderungen auswirkt und welche neuen Aufgaben die Auszubildenden erfüllen müssen bzw. welche Änderungen vorzunehmen sind. 

Ab 2017 soll mit einer neuen Förderung die Verbreitung und der Transfer guter Konzepte zum digitalen Lernen gefördert werden. Ziel ist es, ein Netzwerk für digitales Lernen zu schaffen, über das Unternehmen gemeinsam die notwendigen technischen Infrastrukturen und digitalen Lernangebote bereitstellen und nutzen können. Die gemeinsame Entwicklung von Standards und Verfahren zur Qualitätssicherung sowie die Bereitstellung von hochwertigen Qualifizierungsangeboten soll ebenfalls bezuschusst werden.