Digital-Gipfel 2017: Blick in die Zukunft – Wie sieht die digitale Gesundheitsversorgung von morgen aus?

Digitale Innovationen müssen den Patientinnen und Patienten zugutekommen. Mit der Medizininformatik-Initiative stärkt das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Vernetzung von Forschung und Patientenversorgung.

Neue Wege der Medizin

Hermann Gröhe (Bundesminister für Gesundheit) und Johanna Wanka (Bundesministerin für Bildung und Forschung)

Rickel/BMBF

Das abschließende Forum des diesjährigen Digital-Gipfels ging der Frage nach, welche Chancen und Herausforderungen die Präzisionsmedizin – auch bekannt als individualisierte oder personalisierte Medizin – für die Patienten, für die Gesundheitsforschung, für die Unternehmen und für das Versorgungssystem in Deutschland mit sich bringt.

Präzisionsmedizin: Die richtige Therapie für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt.

Bislang wurden die meisten Therapien für den Durchschnittspatienten entwickelt. Daher sind viele Behandlungen bei einigen Patienten gut wirksam, haben aber bei anderen Patienten nur eine geringe oder gar keine Wirkung, ohne dass genau verstanden wird, warum dies so ist.

Präzisionsmedizin ist ein innovativer Ansatz in der Gesundheitsforschung und der Gesundheitsversorgung: Bei der Wahl einer Behandlung oder Präventionsmaßnahme sollen zukünftig noch stärker die individuellen Merkmale des einzelnen Patienten berücksichtigt werden, also seine Gene, aber auch seine früheren oder aktuellen Lebensumstände oder die Umwelteinflüsse, denen er ausgesetzt ist oder war.

Die Digitalisierung hilft dabei, die Vielzahl von Daten eines Patienten zusammenzuführen und mit den Daten anderer Patienten und neuesten Erkenntnissen aus der medizinischen Forschung abzugleichen. Durch die Zusammenführung der Daten und deren intelligente Analyse kann so aus dem gesamten medizinischen Wissen unserer Zeit die optimale Therapie für jeden einzelnen Patienten identifiziert werden.

Grundstein für bessere Vernetzung: Förderkonzept Medizininformatik

In Deutschland gibt es schon jetzt gute Forschungsergebnisse und Innovationen, die nun in die Praxis umgesetzt werden müssen. Denn digitale Innovationen sind kein Selbstzweck, sondern müssen bei den Patientinnen und Patienten ankommen.

Mit der Medizininformatik-Initiative hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Grundstein für eine bessere Vernetzung von Forschung und Patientenversorgung gelegt. Ziel des Förderkonzeptes Medizininformatik ist die Verbesserung von Forschung und Versorgung durch innovative IT-Lösungen. Diese sollen es ermöglichen, Daten aus Krankenversorgung, biomedizinischer und klinischer Forschung zusammenzuführen und institutionenübergreifend zu nutzen. Langfristiges Ziel ist ein digital vernetztes Gesundheitssystem, in dem Wissen, Informationen und Daten bestmöglich zum Wohle der Patientinnen und Patienten genutzt werden.

Forum IV im Hauptprogramm des Digital-Gipfels 2017 - Digitale Gesundheit für Morgen: Präziser forschen und behandeln

Bundesforschungsministerin Wanka und Bundesgesundheitsminister Gröhe diskutierten zentrale Fragen zur Präzisionsmedizin mit Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung, IBM Deutschland GmbH, Prof. Dr. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates und Prof. Dr. Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages.

Fazit: Die Medizin zum Wohle von Patientinnen und Patienten revolutionieren

Die Expertinnen und Experten waren sich einig, dass die digitale Medizin entscheidende Verbesserung in der Patientenversorgung bringen kann. Dafür müssen neueste Erkenntnisse aus der Forschung für die Versorgung umfassend zur Verfügung stehen. Umgekehrt müssen aber auch Daten aus der Versorgung für die Forschung zugänglich sein, damit der Datenaustausch in beide Richtungen funktioniert.

Es stellen sich bei der Präzisionsmedizin auch neue ethische Fragen. Wie wird beispielsweise damit umgegangen, wenn Therapiemöglichkeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einzelnen Patienten nicht wirken werden. Mit der Entscheidung für oder gegen eine Therapie dürfen Mediziner und auch Patienten nicht allein gelassen werden, hierzu bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen ethischen Diskussion.

Einigkeit bestand zwischen den Diskutanten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft auch darüber, dass Datenschutz und Datensicherheit gerade im Hinblick auf Gesundheitsdaten von herausragender Bedeutung sind. Entscheidend sollte hierbei jedoch nicht die Frage nach dem Dateneigentum sein. Vielmehr sollte danach gefragt werden, wer das Nutzungsrecht und damit auch die Nutzungsverantwortung hat.