Digital-Gipfel 2019: Plattformökonomie im Fokus

Auf dem Digital-Gipfel 2019 stellte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek die Multi-Cloud-Lösung GAIA-X vor. Die Plattform wird vom BMBF und BMWi gemeinsam mit Forschungsinstitutionen und Unternehmen aus der Wirtschaft ins Leben gerufen.

Digital-Gipfel 2019

Digital-Gipfel 2019

BMBF / Hans-Joachim Rickel

Digitale Plattformen standen im Fokus des diesjährigen Digital-Gipfels in Dortmund. Mit wachsender Bedeutung von Industrie 4.0 und des Internet of Things (IoT) werden Plattformen immer wertvoller. Als wichtigste Vorteile digitaler Plattformen gelten in der deutschen Wirtschaft die Schaffung eines breiteren Angebotes, die Erschließung neuer Kundengruppen und die Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Unternehmen. Als größte Hemmnisse für den Einsatz digitaler Plattformen nennen die Plattform-Nutzer laut einer Bitkom-Studie einerseits die Anforderungen an den Datenschutz, Anforderungen an die IT-Sicherheit und andererseits fehlendes qualifiziertes Personal. Als konkrete politische Maßnahmen werden daher europaweit einheitliche Regeln sowie mehr Rechtssicherheit für digitale Plattformen gefordert. Die künftige EU-Vizepräsidentin Margarethe Vestager mahnte an, dass Wettbewerbsregeln streng eingehalten werden müssten, um Märkte nicht kippen zu lassen. Dazu gehöre es vor allem, Produkte und Dienstleistungen wettbewerbsfreundlich, also gleichberechtigt, für die Plattformnutzenden anzuzeigen, statt die eigenen Angebote prominent hervorzuheben.

Europäische Cloud- und Dateninfrastruktur
Eine europäische Antwort auf die vielen Herausforderungen und Bedrohungen, die sich aus der internationalen Situation der Plattformökonomie ergeben, soll zukünftig das Projekt GAIA-X geben, das vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung und dem Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gemeinsam ins Leben gerufen worden ist. Auf dem Digital-Gipfel 2019 wurden die ersten Ergebnisse für diese europäische Cloud- und Dateninfrastruktur vorgestellt. „GAIA-X ist ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der digitalen Souveränität Europas“, betonte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Die Frage nach der Sicherheit zentraler Infrastrukturen sowie der Abhängigkeit in der digitalen Welt bei Handelskonflikten spielen eine immer größer werdende Rolle. GAIA-X hat das Ziel, eine leistungs- und wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa zu schaffen – Funktionalität, Nutzerfreundlichkeit und Kosten sollen im Zentrum stehen. Angestrebt wird eine interoperabel arbeitende Multi-Cloud-Lösung, die dem Menschen dient, nicht anders herum. Hierfür haben sich nun Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammengetan, um eine gemeinsame Lösung zu schaffen.

Arbeitsgruppe Lernende Systeme: Stand der KI-Strategie
Die Plattform Lernende Systeme wurde 2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert. Sie versteht sich als ein Ort des Austauschs und begleitet die Umsetzung der KI-Strategie der Bundesregierung. Die Arbeitsgruppe Lernende Systeme vereint führende Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Organisationen zum Thema Künstliche Intelligenz. Sie erörtern Chancen, Herausforderungen und Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den verantwortungsvollen Einsatz Lernender Systeme. Neben konkreten Anwendungsfeldern wie Medizin und Mobilität liegt der Fokus auch auf Querschnittsthemen wie der Mensch-Maschine-Interaktion oder rechtlichen Fragen. Auf dem Digital-Gipfel 2019 wurde unter anderem dazu diskutiert, dass Einzelmaßnahmen sowie Landes- und Bundesprogramme oft nicht ausreichend abgestimmt seien. Im November 2019 soll ein erster Zwischenstand zur Umsetzung der Strategie veröffentlicht werden.

Spitzenforscher als Erfolgsfaktor
Im Forum „Strategie Künstliche Intelligenz – Deutschland auf dem Weg zum souveränen Standort“ betonte Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, dass Künstliche Intelligenz mehr in die Breite getragen werden muss. Vor allem der deutsche Mittelstand, der als Innovationstreiber in Deutschland gilt, müsste besser mitgenommen werden. Hierfür müssten die Bedarfe der KMUs genau abgefragt werden. Zentrale Bausteine der KI-Strategie seien darüber hinaus das Gewinnen von Spitzenforschern sowie die Forschung in die Anwendung zu bringen, so der Staatssekretär.

Im Forum „KI-basierte digitale Plattformen – Forschung, Transfer und Anwendung“ ergänzte Prof. Dr. Ina Schieferdecker, Leiterin der Abteilung Forschung für Digitalisierung und Innovationen im Bundesministerium für Bildung und Forschung, dass als eine der ersten Maßnahmen zur Stärkung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz und der KI-Kompetenzzentren das BMBF bis 2022 seine finanzielle Unterstützung von bislang 64 Millionen Euro auf 128 Millionen Euro verdoppeln wird. Darüber hinaus ist die Förderung von 30 Professuren im Bereich der KI vorgesehen. Dabei sollen vermehrt deutsche Talente im Land gehalten und ausländische Experten für Deutschland gewonnen werden.