Digitale Studienangebote für Geflüchtete

Für eine nachhaltige Integration von Geflüchteten ist Bildung elementar. Durch die Nutzung digital gestützter Angebote schlägt die Bildungsplattform Kiron eine Brücke zwischen studierwilligen Flüchtlingen und Hochschulen.

Kiron-Studierende

Seit 2016 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Pilotprojekt „INTEGRAL²“ die innovative Bildungsplattform Kiron Open Higher Education im Verbund mit der RWTH Aachen und der Fachhochschule Lübeck. Die digitale Bildungsplattform verbindet das digitale Lernen in der Studieneingangsphase mit Transfer- und Anrechnungsmöglichkeiten an Hochschulen. Die Lehrangebote erfüllen universitäre Standards, um die nachträgliche Anerkennung zu erleichtern. Die auf Lernergebnissen basierende digitale Plattform zielt auf skalierbare und gleichzeitig an den Bedürfnissen der Studierenden orientierte Lehr- und Lernszenarien.

Den Einstieg in die Hochschulausbildung erleichtern

Oft müssen Geflüchtete die für die Hochschulzulassung notwendigen fachlichen und sprachlichen Voraussetzungen noch erwerben. Parallel können sie bei Kiron bereits mit dem Studium beginnen: Sie nehmen an einem digitalen Studienprogramm teil und bewerben sich später für ein Präsenzstudium an einer Partnerhochschule. Über Lernvereinbarungen (Learning Agreements) mit diesen Hochschulen werden die digitalen Studienleistungen später angerechnet. An den Partnerhochschulen schließen die Geflüchteten ihr Studium dann mit einem regulären Abschluss ab.

On- und Offline- Angebote für Studierende

Die Verbindung von digitalem (synchron-asynchron) mit traditionellem Blending (online-offline) bildet das akademische Modell von Kiron: Das Online-Studium basiert auf Massive Open Online Courses (MOOCs), die vorwiegend von externen Partnern erstellt und durchgeführt werden. Sie können zeitunabhängig genutzt werden. Zusätzlich gibt es auch personalisierte On- und Offline- Angebote für die Studierenden.

Die Online-Kurse werden auf der Lernplattform Kiron Campus in Module gebündelt, die die Standards des Europäischen Hochschulraums erfüllen. Neben den vor allem nachgefragten Studiengängen Business & Economics und Computer Science können auch Mechanical Engineering, Political Science und Social Work gewählt werden.

Erste Flüchtlinge studieren an Hochschulen

Mehr als 5.500 Studieninteressierte zählt Kiron seit seiner Gründung. Die ersten der 2.700 Studierenden auf der Kiron-Plattform haben inzwischen das Studium an einer regulären Hochschule aufgenommen. Der größte Teil der Studierenden kommt aus Syrien, Afghanistan, Somalia und Pakistan; die Mehrheit ist zwischen 22 und 29 Jahre alt. Bisher konnte die Plattform insgesamt 44 Partnerhochschulen in sieben Ländern verzeichnen.

Erprobung neuer Zertifizierungs-Technologien

Mit dem Anschlussprojekt „INTEGRAL+“ werden die Möglichkeiten in der fortgeschrittenen Nutzung von digitaler Automatisierung in der Studienberatung sowie in der Anwendung neuer Zertifizierungen für Lernergebnisse und Studienleistungen wie Blockchain und Blockcert ausgelotet. Darüber hinaus wird aktuell geprüft, wie digitale Studienangebote für den gleitenden Zugang zur Hochschulbildung für Geflüchtete entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse effizienter nutzbar gemacht werden kann – und ob dabei skalierbare und in die Breite übertragbare Lösungen entstehen können.