Eine App für die Ernährungsforschung

Mithilfe einer App erfassen Forschende wichtige Informationen über unser Ernährungs- und Bewegungsverhalten – auch über Ländergrenzen hinweg. Einfach in der Anwendung, liefert sie alle relevanten Daten auf einen Blick.

DEDIPAC

Bei welchen Gelegenheiten greifen Menschen zu Softdrinks? Und bleibt es bei einem Glas? Fragen wie diese beschäftigen Ernährungsforscher aus Norwegen, den Niederlanden und Deutschland.

Alexey Novikov/istock

Der übermäßige Konsum zuckerhaltiger Softdrinks ist gesundheitsschädlich, das ist allgemein bekannt. Trotzdem greifen viele Menschen täglich zu den gesüßten Getränken. Aus welchen Gründen? In welchen Mengen? Und ist das überall in Europa gleich? Antworten auf Fragen wie diese ermöglichen es den Forschenden unser Ernährungsverhalten besser zu verstehen – und es dadurch zukünftig vielleicht positiv zu beeinflussen.

Zusammenhang von Ernährung und Bewegung

Um zuverlässige Daten über unser Ernährungs- und Bewegungsverhalten zu erfassen, haben Wissenschaftler aus Norwegen, den Niederlanden und Deutschland eine App für das Smartphone entwickelt. Denn die Daten, die bislang vorliegen, lassen sich nur schwer vergleichen. Bisher existieren nämlich keine einheitlichen Standards für ihre Erhebung. Zudem werden die beiden Parameter – Bewegung und Ernährung –  meist getrennt voneinander und losgelöst von anderen Einflussfaktoren, wie dem sozialen Umfeld oder bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, erfasst. „Mit der App erhalten wir Daten, die sich auch über Ländergrenzen hinweg gut miteinander vergleichen lassen. Die Studienteilnehmer wiederum können die Informationen mit wenigen Klicks sicher und ohne großen Aufwand erfassen und an uns übermitteln“, erläutert Professor Thomas Kubiak. Der Mainzer Gesundheitspsychologe war als deutscher Partner maßgeblich an der Entwicklung und Erprobung der App beteiligt.

Alle Daten auf einen Blick

Die Studienteilnehmenden geben mithilfe der App auf ihren Smartphones eine kurze Selbstauskunft, beispielsweise darüber, ob sie alleine sind oder in Gesellschaft, zu Hause oder unterwegs. Sie haben zudem die Möglichkeit, den Barcode der konsumierten Produkte zu scannen, was die Erfassung noch einfacher und eindeutiger macht. Dieser gibt den Forschern Auskunft darüber, um welches Produkt es sich handelt und aus welchen Inhaltsstoffen es sich zusammensetzt. Ein Sensor und die GPS-Daten liefern darüber hinaus wichtige Informationen zum Bewegungsverhalten der Teilnehmenden.

Ausweitung geplant

„Wir haben die App bislang nur für den Konsum von Softdrinks getestet – und auch nur an norwegischen, niederländischen und deutschen Studierenden. Im nächsten Schritt wollen wir die App für andere Nahrungsmittel und breitere Bevölkerungsgruppen erweitern“, so Kubiak. Interessant fände es der Wissenschaftler zum Beispiel, die gesellschaftlichen Faktoren des Alkoholkonsums zu untersuchen. Oder aber die Frage, wie sich der steigende Verzehr von Fertigprodukten auf unseren Salzkonsum auswirkt.

Europäisches Netzwerk für Ernährungsforschung

Die App wurde als ein Teilprojekt des DEDIPAC („Determinants of Diet and Physical Activity“)-Netzwerkes entwickelt, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Gemeinsamen Europäischen Programminitiative „Eine gesunde Ernährung für ein gesundes Leben“ (JPI HDHL) gefördert wurde. Zu den wichtigsten Zielen des DEDIPAC-Netzwerkes zählt die Vereinheitlichung von Methoden und Instrumenten zur Erfassung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens und zur Bewertung von Präventionsprogrammen. Insgesamt arbeiteten 46 Forschungsgruppen aus zwölf europäischen Partnerstaaten in DEDIPAC daran. Die Entwicklung und Erprobung der App ist ein gemeinsamer Beitrag aus Norwegen, den Niederlanden und aus Deutschland. Das BMBF hat die beteiligten deutschen Partner aus Mainz, Freiburg und Bremen von 2014 bis 2016 gefördert.