Eine Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft

Der digitale Wandel durchdringt mittlerweile alle Lebensbereiche. Im Zentrum dieser Transformation stehen Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Der digitale Wandel durchdringt alle Lebensbereiche.

Rawpixel Ltd./thinkstock

Keine Entwicklung hat unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten so geprägt wie die Digitalisierung. Die Bundesregierung hat aus diesem Grund die „Digitale Agenda 2014–2017“ vereinbart. Diese begegnet dem Thema Digitalisierung auf strategischer Ebene und ressortübergreifend. Dabei nimmt die „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung den gesamten Bildungsbereich ins Visier.

Noch haben sich nicht alle Schulen, beruflichen Schulen und Universitäten auf den Weg zur digitalen Bildung gemacht. Die Bildungsoffensive bietet hier Unterstützung an. Sie will dazu beitragen, die Potenziale des digital gestützten Lernens und Lehrens voll zu erschließen.

Dabei ist es das Anliegen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, praktikable und nachhaltige Wege für digitale Bildung zu entwickeln.

Digitale Kompetenz als Schlüssel

Digitale Bildung vereint zwei grundlegende Aspekte: Zum einen beinhaltet sie die Vermittlung digitaler Kompetenz. Dabei geht es darum, Menschen zu ermöglichen, digitale Medien wie Computer, Tablet oder Smartphone fachkundig und zugleich verantwortungsvoll zu nutzen. Hierbei stehen insbesondere Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre im Zentrum. Auch Themen wie Internetkriminalität oder Cybermobbing sind Phänomene des digitalen Zeitalters, denen mit digitaler Kompetenz besser begegnet werden kann.

Der zweite Aspekt digitaler Bildung stellt darauf ab, mit digitalen Medien zu lernen, also zum Beispiel Lern-Apps zu nutzen oder Onlinekurse zu absolvieren. Der Bedarf nach beidem ist ausgeprägt: Digitale Medien sind spätestens mit der Nutzung von Smartphones in unserer Gesellschaft weit verbreitet.

Zugleich wächst in einer mobilen Gesellschaft der Wunsch nach orts- und zeitunabhängigen Bildungsangeboten. Nicht zuletzt stützt der immer weiter verbreitete Wunsch nach Weiterbildung und Höherqualifizierung den Bedarf an digitaler Bildung.

Teilhabe und Selbstbestimmung

Grundsätzlich gilt: Bildung wird auch weiterhin in analoger Form stattfinden. Digitale Bildung verfolgt auch weiterhin klassische bildungspolitische Ziele: An erster Stelle steht hierbei, den Lernenden Schlüsselkompetenzen für das selbstbestimmte Handeln in der digitalen Welt zu vermitteln. Dadurch wird gleichzeitig die Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe geschaffen.

Ein weiteres Ziel der digitalen Bildung ist es, junge und ältere Menschen auf die Qualifikationsanforderungen der digital geprägten Arbeitswelt vorzubereiten. Wesentlich ist dabei, dass digitale Bildung auf dem gleichberechtigten Zugang zu Bildung basiert. Jeder Bürgerin und jedem Bürger dieses Landes soll ermöglicht werden, die Chancen digitaler Bildung zu ergreifen. Eine digitale Spaltung (digital divide) der Lernenden muss verhindert werden. Aus diesem Grund kann digitale Bildung einen wichtigen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland leisten.

Chancen und Herausforderungen

Technologisch und wirtschaftlich ist Deutschland als einer der weltweit führenden Innovationsstandorte gut aufgestellt. Dennoch hat sich das Bildungssystem bisher nicht in ausreichendem Maße dem Tempo der digitalen Entwicklung angepasst.

Das Bildungsniveau in Deutschland ist hoch und die Bildungsgerechtigkeit steigt; die Kopplung zwischen dem sozialen Status der Eltern und dem Bildungsniveau ihrer Kinder nimmt ab. Gleichzeitig steigen die Bildungsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt und die Zuwanderung verlangt nach flexiblen Lösungen.

Hier bietet die digitale Bildung vielversprechende Möglichkeiten. Durch das Lernen mit digitalen Medien auf Basis passender Lehr- und Lernkonzepte können Menschen besser individuell gefördert werden. Zugleich sind diese Bildungsangebote flexibel einsetzbar. Digitale Lerntools und Lerntutorien erweisen sich beispielsweise bei der Integration von Geflüchteten als wertvolle Unterstützung.

Was jetzt geschehen muss

Digitale Bildung stellt sich als Thema für alle Bildungseinrichtungen. Zwar kann Deutschland auf eine Reihe günstiger Voraussetzungen bauen, wie zum Beispiel einen flächendeckenden Informatikunterricht oder ein breites Interesse an MINT-Fächern.

Trotzdem befinden sich Schülerinnen und Schüler aus Deutschland bei internationalen Vergleichsstudien, wie zuletzt im Rahmen der Studie ICILS 2013, nicht in der Spitzengruppe.

Auch die IT-Kompetenzen der deutschen Lehrkräfte können im internationalen Vergleich nicht mithalten. Dem stimmen auch die Lehrerinnen und Lehrer zu, von denen sich mehr als die Hälfte zusätzliche Unterstützung für den Einsatz von Computern und digitalen Medien im Unterricht wünscht.