Homeschooling braucht Digitalkompetenz

Eine Umfrage der Netzwerkinitiative D21 und der TU München zeigt, welche Wege beim digitalen Heimunterricht genutzt werden und welche Hürden bestehen. Das BMBF fördert die Anschaffung von Schullaptops mit 500 Millionen Euro.

Frau zeigt Kindern etwas

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Die Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie zwangen Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zum Umdenken. Ein Präsenzunterricht konnte nicht mehr stattfinden, die Schulwege verwaisten – so mussten andere Wege gefunden werden, um den Schulkindern weiterhin Lehrstoff zu vermitteln. Eine Umfrage unter mehr als 1.000 Teilnehmenden der Netzwerkinitiative für die digitale Gesellschaft D21 in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München (TUM) vom Juni 2020 zeigt, dass in 85 Prozent der befragten Haushalte ein sogenanntes Homeschooling, also ein digitaler Schulunterricht, stattfand. Bei Auswahl, Umgang und Zufriedenheit mit digitalen Schulformaten wurden unterschiedliche Erfahrungen gemacht – im Zentrum stehen Lehrkräfte und Schulverwaltungen.

Digitaler Unterricht abhängig vom Können und Engagement der Lehrkräfte

Die Gestaltung eines digital unterstützten Schulunterrichts hängt stark vom Können und Engagement der einzelnen Lehrkräfte ab, heißt es in der Vorabstudie zum eGovernment Monitor 2020, der Ende Oktober erscheinen soll. So geben über die Hälfte der Befragten an, dass der digitale Unterricht auf Eigeninitiative der Lehrkräfte zustande kam. Die Initiativen der Schulen werden von knapp 60 Prozent der Umfrageteilnehmenden gelobt, während ein Drittel diese Initiativen als „bremsend“ empfinden, wie es in der Studie heißt. So bemängeln viele Eltern eine unzureichende Unterstützung bei der Anwendung und Nutzung digitaler Lehrangebote durch die Schulen.  
 
Eltern bemängeln Kompetenz und Unterstützung beim Homeschooling
 
Etwa die Hälfte der befragten Eltern geben an, mit dem digitalen Schulunterricht „insgesamt zufrieden“ zu sein. Ein Drittel teilt diese Auffassung dagegen nicht. So haben 30 Prozent der Befragten den Eindruck gewonnen, dass Lehrkräfte mit digitalen Anwendungen überfordert sind und bescheinigen ihnen eine mangelnde Digitalkompetenz. Insgesamt geben in der D21-Umfrage Dreiviertel der Befragten an, Schwierigkeiten mit dem digitalen Unterricht zu Hause zu haben. Neben einer unzuverlässigen Internetverbindung werden die Probleme vor allem aufgrund unzureichender Unterstützung durch die Schulverwaltungen verursacht, so die Umfrageteilnehmenden. Die verschiedenen genutzten Austauschplattformen und Kommunikationskanäle führen den Angaben zufolge zudem zu unklaren und missverständlichen Schulaufgaben und Lehrstoffvermittlung beim Homeschooling.    
 
Smartphone und Laptop statt Schulranzen und Brotdose

Der Austausch von Lehrstoff über schuleigene (31 Prozent) als auch kommerzielle (29 Prozent) Online-Plattformen hält sich den Angaben zufolge die Waage. Die Nutzung digitaler Endgeräte für den Schulunterricht ist während der Schulschließungen von 66 auf 96 Prozent gestiegen, so die Umfrage weiter. Dabei kommen am häufigsten das Smartphone und – dicht gefolgt – das Laptop zum Einsatz, denn der Austausch findet zum Großteil (81 Prozent) per E-Mail und zu 32 Prozent über sogenannte Messenger-Dienste statt. Auf Videokonferenzen greifen 44 Prozent der Lehrkräfte zurück.

BMBF fördert die Anschaffung von Schullaptops mit 500 Millionen Euro

Anfang Juli dieses Jahres unterschrieb Bundesbildungsministerin Karliczek eine Zusatzvereinbarung zum bundesweiten DigitalPakt Schule, durch die eine Anschaffung von Laptops zur Ausleihe an Schülerinnen und Schüler ermöglicht wird. Dafür werden den Schulen 500 Millionen Euro bereitgestellt. „Die Corona-Pandemie ist für uns alle eine große Bewährungsprobe. Das gilt in besonderer Weise auch für unser Bildungssystem. Seit Beginn der aktuellen Ausnahmesituation mussten sich Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern schnell auf neue Lernumstände einstellen“, sagte Bildungsministerin Karliczek bei der Unterzeichnung. „Wir alle wollen, dass die Schulen nach den Sommerferien zum Präsenzunterricht zurückkehren können. Zugleich müssen wir sicherstellen, dass digitaler Unterricht für alle Kinder und Jugendlichen auch zu Hause möglich ist.“