Lernen mit „Netz und doppeltem Boden“

Neues zu lernen ist für Menschen mit Handicap aufregend und anstrengend. Digitale Medien können sie dabei unterstützen: Zu lernende Tätigkeiten – wie einen Kuchen zu backen – werden im Vorhaben Via4All durch interaktive Lernvideos abgebildet.
 

Eye-Tracking wird der Forschungsministerin an einer jungen Frau vorgeführt

Eye-Tracking wird der Forschungsministerin an einer jungen Frau vorgeführt

Fotoagentur Roth

Per Tablet am Arbeitsplatz sind die interaktiven Lernvideos immer dabei – als flexibel einsetzbarer Lernbegleiter, der Sicherheit gibt. Hiervon hat sich auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka während ihrer Sommerreise bei einem Besuch vor Ort überzeugt. Am 21. April hat sie die Hannoverschen Werkstätten besucht.

Via4All – Digital gestützter Beitrag zur Inklusion

Das Projekt Via4all hat sich vorgenommen, ein inklusives, ganzheitliches und arbeitsprozessorientiertes E-Learning-Angebot zu konzeptionieren und zu realisieren. Es richtet sich an Menschen mit und ohne Handicap und trägt so zur beruflichen Inklusion bei. Zentrale Bausteine des E-Learning-Angebots sind Videos, die Arbeitsprozesse abbilden und mit digitalen, kontextsensitiven Hintergrundinformationen angereichert werden. Die Filme werden in ein Lernmanagementsystem eingebettet, um das gemeinschaftliche Lernen zu unterstützen. Auf diese Weise erhalten Menschen mit Behinderung exemplarisch für die Bereiche Bau, Hauswirtschaft, Landschaftsgartenbau und Metalltechnik fundierte zusätzliche Informationen mittels digitaler Technologie direkt im Arbeitsprozess. So wird maßgeblich die berufliche Teilhabe unterstützt.

Forschungsministerin Wanka spricht mit Teilnehmern in Hannover

Zielgerichtete Lernvideos durch Eye-Tracking

Fotoagentur Roth

Digitale Technik unterstützt zielgerichtetes Lernen

Schon bei der Erstellung der Videos wird auf digitale Möglichkeiten zurückgegriffen: Während erfahrene Mitarbeitende – aber auch „Neulinge“ - einen Arbeitsprozess durchführen, werden ihre Augenbewegungen mit Hilfe einer kleinen Kamera, die sich direkt vor einem Auge befindet, aufgenommen. Durch die Auswertung der aufgezeichneten Blickbewegungen des „Eye-Trackers“ lassen sich besonders aufmerksamkeitsrelevante Arbeitsschritte identifizieren. Bei der späteren Umsetzung in ein Lernvideo werden solche Stellen berücksichtigt und mit zusätzlichen Erklärungen angereichert.

Wertschätzung durch den Besuch der Bundesbildungsministerin

Neben den gemeinnützigen Gesellschaften „GrünBau“ in Dortmund und der „Mariaberger Ausbildung & Service“ in Gammertingen/Baden-Württemberg sind die Hannoverschen Werkstätten einer der Anwendungspartner des Vorhabens, das von der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund wissenschaftlich begleitet wird. In den Werkstätten erlernen Menschen mit Behinderung leichte Arbeitstätigkeiten, um sich persönlich wie beruflich weiterzuentwickeln und soziale Teilhabe zu erfahren. Junge Menschen auf dem Weg ins Arbeitsleben erwerben berufliche und lebenspraktische Fähigkeiten für eine möglichst selbstständige Zukunft in den Bereichen Handwerk, Hauswirtschaft oder Gastronomie. Bei ihrem Besuch in Hannover hat Bundesministerin Johanna Wanka sich selbst ein Bild davon gemacht, wie Menschen mit Behinderung von digitalen Technologien am Arbeitsplatz profitieren können.

Frau beim Bügeln

Digital gestützte Arbeitsprozesse

Via4All, Martina Kunzendorf

Aktuelles

Mit der am 13. Februar diesen Jahres veröffentlichten Förderrichtlinie „Inklusion durch digitale Medien in der beruflichen Bildung" will das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Möglichkeiten der digitalen Medien für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen weiter erschließen und das Engagement bei der Inklusion durch digitale Medien verstärken. Konkret sollen Menschen mit Behinderungen durch den innovativen Einsatz digitaler Medien beim Erlernen und langfristigen Ausüben einer beruflichen Tätigkeit unterstützt werden. In Einrichtungen der beruflichen Bildung sowie in Unternehmen bestehende Barrieren, die für die Bildung und Qualifikation von Menschen mit gesundheitlichen, körperlichen oder geistigen Einschränkungen Hindernisse darstellen, sollen überwunden und abgebaut werden.