Mensch, Affe oder Maschine?

Künstliche Intelligenz ist nicht menschliche Intelligenz – und deshalb unfehlbar? Am 10. Oktober lud das Weizenbaum-Institut ins Futurium, um über Vorurteile in der KI zu sprechen. Der Eintritt war frei, das Publikum zahlreich, die Vorträge lebhaft.

Dt. Internet-Institut

Thinkstock

Unter dem Titel „Künstliche Intelligenz*innen – Die Vorurteile der lernenden Maschine“ luden das deutsche Internetinstitut und das Futurium an die Spree ein. Bereits zu Beginn der Abendveranstaltung mussten Klappstühle ausgeteilt werden. Das Interesse an Künstlicher Intelligenz, kurz KI, ist nach wie vor groß. 

Bias, Bias, Bias
Nach einer Einführung in die Frage, was denn Künstliche Intelligenz überhaupt bedeutet, kam der Vortrag von Rainer Rehak, Informatiker und Doktorand am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft, zu dem Fazit: KI kann unsere Lebenswelt bereichern und auch gerechter machen – der entsprechende Algorithmus muss aber auch mit dieser Überzeugung programmiert worden sein. Einem möglichen Bias, der unterbewussten Neigung zu Ausgrenzung und Benachteiligung von Menschen und Gruppen, gilt es daher auch in Algorithmen frühzeitig durch Transparenz zu begegnen.

Im Anschluss referierte Dr. Isabella Hermann, wissenschaftliche Koordinatorin an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, über maschinelles Lernen und Weltanschauung. Am Beispiel von Google Photos gab sie Einblick in einen algorithmischen Rassismus-Skandal: In 2015 sortierte die Gesichtserkennungs-Software Schwarze Menschen automatisch in die Kategorie „Gorilla“ ein. Der Fehler konnte nicht behoben werden, weshalb Google die Kategorie gelöscht hat. 

Kunst, KI und Körper
Dass sich dem Thema Bias in der KI auch auf ganz andere Weise genähert werden kann, zeigten Dr. Michelle Christensen und Dr. Florian Conradi. Gemeinsam leiten sie die Forschungsgruppe „Produktionsmöglichkeiten der Maker-Kultur“ am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft. Bildgewaltig machten sie den Zusammenhang zwischen Design, Gender und Informatik deutlich und traten im Selbst-Experiment in Dialog mit einer Maschine – wie es auch Joseph Weizenbaum einst tat.

Eine gänzlich andere Darstellungsweise Künstlicher Intelligenz wählte das REPLICA Institut in Kooperation mit Dr. Diana Serbanescu, Forschungsgruppenleiterin am Weizenbaum-Institut. Durch eine eindrucksvolle Darbietung veranschaulichten zwei Tanzende die „Körperlichkeit“ eines Algorithmus und brachten das Thema KI den Zuschauerinnen und Zuschauern damit auf ganz andere Art näher. Zuvor hielt Frau Dr. Serbanescu einen bibliografischen Vortrag über Feminismus und Informatik; sie leitet im Weizenbaum Institut die Forschungsgruppe „Kritikalität KI-basierter Systeme“.

Ein interaktiver Abend
Durch die Veranstaltung führte der Autor und Moderator Tobias Hülswitt und bezog die Zuschauerinnen und Zuschauer durch Live-Abstimmungen via Mobiltelefon immer wieder aktiv in die Veranstaltung ein. Über Fragen wie „Wieviel Prozent aller KI-Fachkräfte weltweit sind weiblich?“ oder „In welchen Forschungsfeldern sind mehr weibliche als männliche KI-Fachkräfte tätig?“ konnten die Anwesenden in Echtzeit abstimmen. Das bot zusätzlichen Gesprächsstoff. 

Dementsprechend schloss der Abend mit einer regen Diskussion zwischen dem Publikum und einem Panel bestehend aus Prof. Dr. Herbert Zech, Direktor des Weizenbaum-Instituts, Prof. Dr. Gesche Joost, Leiterin des Design Research Lab an der Universität der Künste, und Doktorand Rainer Rehak.

Podiumsdiskussion Futurium

Podiumsdiskussion mit dem Publikum (v.l.n.r.): Tobias Hülswitt, Gesche Joos, Herbert Zech, Rainer Rehak

Weizenbaum-Institut/ Eres Esra