Telemedizin, 5G und Akzeptanz

Akteure aus Wirtschaft, Vereinen, Institutionen und Politik trafen sich am 12. Februar 2020 auf Einladung der Deutschen Breitbandinitiative zum kritischen Diskurs. Dabei wurden die digitalen Möglichkeiten und ihre Hindernisse gegenübergestellt.

DB Medibus

Als Live-Demonstrator stand der DB Medibus – eine rollende Arztpraxis – vor den Veranstaltungsräumen. Die Teilnehmenden hatten die Gelegenheit diese Insellösung, die insbesondere im ländlichen Raum bedeutend ist, zu besichtigen

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DB Medibus

Digitale Anwendungen sind für die rollende Arztpraxis unabdingbar, denn 50-60 Patientenakten finden in dem umgebauten Bus keinen Platz.

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Die Deutsche Breitbandinitiative ist ein gemeinsames Projekt der Initiative D21, des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur und des Digitalverbands BITKOM. Am 12.02.2020 lud sie Akteure verschiedener Unternehmen, Institutionen und Ministerien ein, um über das Thema „Gesundheit“ zu sprechen. „Die Medizin ist ein ganz besonderes Fach mit großer Verantwortung“, sagte Prof. Dr. Stefan Heinemann von der FOM Hochschule in Essen, der der Veranstaltung via Live-Übertragung zugeschaltet war. Dank Big Data und neuen Technologien könnten Ärzte ihrer Verantwortung gegenüber den Patienten noch besser nachkommen, weil wertvolles Wissen der Frauengesundheit, der Herzgesundheit und vielen anderen medizinischen Teilbereichen bereitstünde.

Zugang zum Internet – Zugang zu Wissen
Um jedoch von den digitalen Gesundheitsanwendungen und dem reichen Wissensfundus profitieren zu können, benötigen Mediziner und Wissenschaftler dringend flächendeckend den Zugang zum Internet. Dr. Henrik Matthies, Leiter des unabhängigen Health Innovation Hub, das vom Bundesministeriums für Gesundheit ins Leben gerufen wurde, kritisierte scharf, dass hierzulande insbesondere die Bevölkerung ländlicher Räume mit wenigen Landärzten Vorlieb nehmen muss und wegen schlechter Netzabdeckung wenige bis gar keine eHealth-Angebote nutzen kann. In Thüringen beispielsweise haben Ärzte teils gar keine Internetverbindung, was zu einem kritischen Diskurs führte.

Einigkeit bestand darüber, dass 5G für die telemedizinische Versorgung vor allem in ländlichen Räumen wichtig sei und die Debatte um Strahlenschutz in der Gesellschaft entscheidend sein wird. Denn Akzeptanz in der Breite ist die Voraussetzung für die gewünschte Netzabdeckung. Nur so könne man beispielsweise durch individuelle Benachrichtigungen nach einer Herzoperation aufgrund von Herzinsuffizienz die Mortalitätsrate senken. Wann genau eine Konsultation beim Arzt notwendig wird, konnte durch die Ergebnisse großangelegter Studien eruiert werden. Die Nutzung lebensrettender Produkte und Dienstleistungen, die bereits hinlänglich erprobt sind, erfordern jedoch den Breitbandausbau.

Der Mensch im Zentrum
Realität ist heute, dass Krankenkassen mit Start-ups kooperieren, um Mehrwerte für ihre Versicherten zu etablieren. Quasi jede Krankenkasse bietet Apps, mit denen die Versicherten an Bonusprogrammen teilnehmen können, um Geld zu sparen oder um ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun. Dabei ist der Umgang mit den Daten, die hier entstehen bzw. bereits vorhanden sind, von tragender Bedeutung. In Europa befinden wir uns stets im Spannungsfeld zwischen dem Schutz der privaten Daten und den existenten Technologien, die der Gesundheit der Gesellschaft zuträglich sein könnten.

Ein weiterer entscheidender Aspekt: Wenn der Mensch im Zentrum stehen soll, muss er Entscheider sein können. Das wiederum setzt voraus, dass der Mensch die Technik auch versteht, wenn der Arzt ihm beispielsweise eine App zur Kontrolle seiner Gesundheitsdaten empfiehlt. Wie kann zukünftig das Verständnis für Algorithmen in die Breite gebracht werden? Hierfür müssen Antworten gefunden werden. Zentral bleibt eine stete ethische Reflektion aller digitalen Angebote.