Eindrücke zur Nationalen Konferenz Datentreuhandmodelle 2025 : Datum:
Vom 30.09. bis zum 01.10.2025 fand die Nationale Konferenz Datentreuhandmodelle 2025 statt. Unter dem Motto „Datenteilen für digitale Innovationen“ versammelten sich über 100 Teilnehmende aus den vom BMFTR geförderten Datentreuhandprojekten um gemeinsam mit externen datenpolitischen Expertinnen und Experten aktuelle Projektergebnisse und weitere Schritte auf dem Weg hin zu einer gelebten Datenkultur innerhalb des Forschungs- und Innovationssystems zu diskutieren. Der Beitrag fokussiert die zentralen Ergebnisse der Konferenz.
Die Bundesregierung hat die Verfügbarkeit von Daten als Basis digitaler Wertschöpfung und Innnovation als zentrale politische Zielstellung im Koalitionsvertrag und der kürzlich vorgestellten Hightech Agenda Deutschland verankert. Denn die digitale Transformation unseres Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts kann nur dann nachhaltig gelingen, wenn wir im Sinne digitaler Souveränität handlungsfähig bleiben und Datenbestände nutzbar machen – ob als Trainingsdaten für KI-Systeme, Grundlage digitaler Dienstleistungen oder neuer datengetriebener Forschung. Im Sinne einer europäischen Alternative zu stark konzentrierten Ansätzen soll dabei das dezentral strukturierte Geflecht aus innovativen Unternehmen, Wissenschaft und Forschung gestärkt werden. Dazu braucht es einen Ausgleich der Interessen der verschiedenen Akteure als Grundlage nachhaltiger Datenökosysteme.
Datentreuhänder und die dahinterstehenden Datentreuhandmodelle (DTM) können als Intermediär und Vertrauensanker einen organisatorisch, rechtlich und technisch einwandfreien Datenaustausch zwischen Datengebenden und Datennehmenden ermöglichen. Sie sorgen dafür, dass qualitativ hochwertige Daten verfügbar und ohne Bedenken nutzbar sind. Damit schaffen sie die Grundlage florierender, oftmals dezentraler Datenökosysteme und datenbasierter Innovationen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert deshalb aktiv die Entwicklung, Etablierung und Skalierung von Datentreuhandmodellen. So soll eine neue Datenkultur innerhalb des Forschungs- und Innovationssystems unterstützt werden, die die Verwendung von Daten jenseits der Grenzen einzelner Organisationen oder Sektoren stärkt. Dafür braucht es Mut zur Veränderung und engagierte Innovatorinnen und Innovatoren.
Wie lebendig und engagiert die hinter den Projekten stehende Fachcommunity ist, zeigte sich beim Besuch der Nationalen Konferenz Datentreuhandmodelle 2025 in Darmstadt. Unter dem Motto „Datenteilen für digitale Innovationen“ kamen über 100 Teilnehmende aus dem Kreis der geförderten Projekte, aber auch externe daten- und digitalpolitische Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen. Im Rahmen eines interaktiven und vor allem interdisziplinären Programms bestand die Gelegenheit, sich über die gemachten Erfahrungen auszutauschen, Ergebnisse zu präsentieren und gemeinsam über die erforderlichen nächsten Schritte nachzudenken. Das DTM-Kompetenznetzwerk „DaTNeT“ war federführend für die Planung und Umsetzung der zweitägigen Konferenz verantwortlich.
Zwei Tage voller neuer Eindrücke und intensiver Diskussionen in Darmstadt
Dr. Marcus Pleyer, Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, hob zur Eröffnung der Konferenz in seinem digitalen Grußwort die wichtige Rolle der Teilnehmenden und den zentralen Beitrag ihrer Projekte hervor, da durch sie der erforderliche Transformationsprozess hin zu einer gelebten Datenkultur innerhalb des Forschungs- und Innovationssystems aktiv mitgestaltet wird.
Nach den offiziellen Begrüßungen lag der Fokus auf den praktischen Erfahrungen der Teilnehmenden bei der Konzeption und Umsetzung von Datentreuhandmodellen. In den Ergebnisvorstellungen der geförderten Projekte wurde deutlich, dass sich die einzelnen Anwendungsbereiche – von der Medizin, über Land- und Forstwirtschaft bis hin zu Geodaten – teilweise stark voneinander unterscheiden und die jeweiligen Besonderheiten bei der erfolgreichen Etablierung eines Datentreuhandmodells berücksichtigt werden müssen.
Gleichzeitig sind grundlegende Fragen erkennbar, denen sich jeder Datentreuhänder früher oder später stellen muss. Dazu zählen in der Konzeptionsphase die Wahl der geeigneten Rechtsform, guter Grundregeln für den Datenaustausch innerhalb des Ökosystems und der passenden technischen Architektur. Um ein Datentreuhandmodell erfolgreich zu etablieren, bedarf es zudem geeigneter Anreizstrukturen für die Teilnahme von Datengebenden und Datennehmenden, gut durchdachter Kommunikations- und Onboardingformate zur Einbindung neuer Akteure und einem finanziell nachhaltigen Betriebsmodell. Diese Beobachtungen finden sich auch in den Erkenntnissen der Begleitforschung der geförderten Pilotprojekte wieder, die ebenfalls auf der Konferenz vorgestellt wurden und Datentreuhändern trotz erkennbarer Herausforderungen eine potenzielle Schlüsselrolle auf dem Weg zu florierenden Datenökosystemen attestieren.
In Ergänzung zu den Erfahrungen der geförderten Projekte war aber auch der Input von projektexternen Expertinnen und Experten eine wichtige Säule des Konferenzprogramms: Im Rahmen mehrerer Paneldiskussionen stand die übergeordnete Fragestellung nach den Potenzialen von neuen Datenintermediären und deren Zusammenspiel mit bestehenden Strukturen – wie beispielsweise der NFDI oder den europäischen Datenrauminitiativen – im Mittelpunkt. Weitere Höhepunkte waren die Keynotes von Dr. Stephan Bredt von der Deutschen Bundesbank zum Aufbau und Betrieb des Finanzdatentreuhänders „EuroDaT“ und von Dr. Malte Beyer-Katzenberger von der Europäischen Kommission (DG Connect) zur Konzeption der datenrechtlichen Rahmenbedingungen mit Fokus auf dem Data Governance Act (DGA) und seiner angelaufenen Überarbeitung.
Während den Pausen bot die Posterschau die Möglichkeit zur direkten Vernetzung der Teilnehmenden und die zahlreichen Workshop-Formate haben dazu eingeladen, sich im Detail mit einzelnen Themen auseinanderzusetzen. Im Fokus standen dabei ebenfalls die Fragen nach nachhaltigen Geschäfts- und Betriebsmodellen, effektiven Strategien zum Ökosystemaufbau und weiteren Förderbedarfe für Datentreuhandmodelle.
Wer mehr über die einzelnen Diskussionen und Vorträge auf der Konferenz erfahren möchte, wirft am besten einen Blick auf den ausführlichen Veranstaltungsbericht oder die O-Ton-Sammlung des DTM-Kompetenznetzwerks. Ein paar visuelle Eindrücke sind in der nachfolgenden Bildergalerie zu finden:
Ausblick: Gemeinsam auf dem Weg zu einer gelebten Datenkultur durch Datentreuhandmodelle
Die rege Teilnahme von Projektverantwortlichen aber auch von nicht geförderten Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik verdeutlicht das weiterhin große Interesse an Datentreuhandmodellen und ihren Potenzialen. Das ist nicht verwunderlich, denn das Thema ist längst mehr als ein akademisches Forschungs- und Experimentierfeld. Vielmehr haben die geförderten Projekte und die daraus resultierenden Ergebnisse bereits jetzt einen echten Impact in der Praxis, in dem sie teilweise bereits Datenaustausch mittels Datentreuhandmodellen ermöglichen oder indem sie den Wandel hin zu einer Kultur des Datenteiles durch kluges Nachfragen und aktive Gestaltung weiter vorantreiben. Das heißt nicht, dass es nicht noch Herausforderungen zu meistern gilt, aber – so auch Dr. Christopher Karmann (BMFTR) und Frau Prof. Gehring (DaTNeT / ZEVEDI) in ihrem Wrap-Up der Veranstaltung – der Stein ist ins Rollen gebracht und jetzt gilt es ihn gemeinsam am Rollen zu halten.
Die Konferenz war dafür ein wichtiger Schritt, um den Austausch zwischen den geförderten Projekten aber auch externen Expertinnen und Experten zu intensivieren und neue Impulse für die zukünftige Zusammenarbeit zu setzen. Denn nur im Zusammenspiel vieler einzelner Komponenten und durch die vertrauensvolle Kooperation verschiedener Anspruchsgruppen wird die Nutzung geteilter Datenbestände innerhalb des Forschungs- und Innovationssystem nachhaltig gelingen.
Überblick über die vom BMFTR geförderten Projekte
Wer mehr über die vom BMFTR geförderten Projekte und ihre Ergebnisse erfahren möchte, kann sich nachfolgend einen Überblick über die inhaltlichen Schwerpunktlegungen der einzelnen Fördermaßnahmen verschaffen und kommt über die hinterlegten Verlinkungen direkt zu Detailinformationen zu einzelnen Projekten.
In den Pilotprojekten wurden Datentreuhandmodelle in unterschiedlichen Anwendungsbereichen der Wissenschaft und Wirtschaft konzipiert, entwickelt und in einem Pilotbetrieb unter realen Praxisbedingungen getestet. Die Erkenntnisse aus den Projekten verbessern das Verständnis, in welchem Umfang Datentreuhänder die Nutzung von Daten ausweiten können und welche Faktoren für den Erfolg von Datentreuhändern maßgeblich sind.
Die Baustein-Projekte fokussieren sich – anders als die Piloten – stark auf einzelne Herausforderungen, die der Etablierung von Datentreuhandmodellen in der Praxis noch entgegenstehen, und entwickeln entsprechende Lösungen. Dabei widmen sich die Projekte der Erforschung von Geschäfts- und Betriebsmodellen sowie Erfolgsfaktoren für die Akzeptanz und Skalierung von Datentreuhandmodellen, der (Weiter-)Entwicklung technischer Komponenten oder ihrer rechtlich einwandfreien Umsetzung.
Die Skalierungsprojekte zielen jeweils darauf ab, in einem konkreten Anwendungsbereich oder auch anwendungsbereichsübergreifend einen Datentreuhänder nachhaltig zu etablieren und im Rahmen der Förderung das Wachstum des damit verbundenen Datenökosystems zu stärken.
Das DTM-Kompetenznetzwerk „DaTNeT“ unterstützt die Datentreuhandinitiativen und bietet eine zentrale Anlaufstelle für Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Es stellt praxisnahe Informationen bereit, fördert den Austausch zwischen Datentreuhändern und bietet Lernangebote sowie eine digitale Plattform zur Vernetzung und Wissensvermittlung.
Pilotprojekte, Bausteinprojekte, Skalierungsprojekte und auch die kürzlich gestarteten Projekte zur Unterstützung einer gelebten Kultur der organisation- und sektorenübergreifenden Datennutzung bauen aufeinander auf und greifen ineinander, um Datentreuhandmodelle zu konzipieren, in die Praxis zu bringen und erfolgreich weiterzuentwickeln. Die Vernetzung der einzelnen Projekte und vor allem der dahinterstehenden Köpfe ist somit von zentraler Bedeutung.