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Offene Forschungssoftware – Studie zeigt Perspektiven und Potentiale

Forschungssoftware ist heute ein unverzichtbarer Grundbestandteil der Wissenschaft. Doch trotz ihrer wachsenden Bedeutung fehlt es oft noch an klaren Strukturen und Wertschätzung von Software als wissenschaftlicher Leistung. Eine neue Studie, beauftragt durch das BMFTR, beleuchtet den Stand der Forschungssoftware in Deutschland und zeigt das große Potential offener Software sowie Handlungsbedarfe auf.

Eine vom BMFTR beautragte Studie beleuchtet den Stand der Forschungssoftware in Deutschland und zeigt das große Potential offener Software sowie Handlungsbedarfe auf. © tadamichi / Adobe Stock

Forschungssoftware: Schlüsselkomponente heutiger Forschung

Zur Förderung einer offenen Wissenschaftskultur macht sich das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) stark für einen möglichst uneingeschränkten Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen (Open Access) und Forschungsdaten (Open/ FAIR Data). Ein zentrales Element einer offenen Wissenschaft (Open Science) ist darüber hinaus die Entwicklung und Bereitstellung von offen zugänglicher Forschungssoftware. Diese hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Heute ist Forschungssoftware in vielen Disziplinen unverzichtbar: im Erkenntnisprozess selbst aber auch als Ergebnis von Forschung. Daher überträgt sich die Forderung nach Open Science auch auf Software.  Leitgedanke ist Offenheit im Sinne von Open Source und die Möglichkeit bestehende Software für die eigenen Forschungsbedürfnisse anzupassen.

Studie des BMFTR: Bestandsaufnahme von Forschungssoftware

Um den aktuellen Stand und die Entwicklungen rund um offene Forschungssoftware in Deutschland zu untersuchen hat das BMFTR das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und JOANNEUM RESEARCH mit einer umfassenden Studie zu „Open Research Tools“ beauftragt. Auf Grundlage einer Literaturrecherche und Experteninterviews liefert die nun vorgelegte Studie eine erste detaillierte Bestandsaufnahme. Der Blick geht dabei über bloße Software und Software-Anwendung hinaus und beleuchtet das Zusammenspiel von Forschungssoftware mit dem Spannungsfeld Offenheit und dem digitalen Wandel in der Wissenschaft, Datenmodellen und notwendiger Infrastruktur. Die Studie schließt mit einer Reihe von Handlungsempfehlungen an die deutsche Forschungs- und Innovationspolitik.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die Studie untersucht im Zusammenhang mit offener Forschungssoftware die aktuelle Situation, Entwicklungen sowie die beteiligten Akteure in Deutschland. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studienarbeit lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Ein vielschichtiges Feld mit wachsenden Strukturen:
    Der Einsatzbereich offener und nicht quellenoffener Forschungssoftware ist noch sehr uneinheitlich. Zwar entstehen erste Strukturen – etwa durch Initiativen wie de-RSE e.V. oder etablierte Forschungseinrichtungen wie Helmholtz Open Science –, doch bleibt das Verständnis für den Stellenwert und Verstetigungswege von Forschungssoftware noch sehr verschieden. Eine gemeinsame, nationale Strategie könnte helfen, Potentiale für eine institutionelle Verankerung sowie Perspektiven für strukturelle Rahmenbedingungen und einen koordinierten Fahrplan zu schaffen.
  • Software ist zentraler wissenschaftlicher Output:
    Obwohl Forschungssoftware immer wichtiger wird, fehlt es zumeist an der Anerkennung von Software als wissenschaftlicher Leistung. Es gilt, Softwareentwicklung sichtbarer zu machen und die Veröffentlichung von Forschungssoftware als Teil wissenschaftlicher Fertigkeit und Wertschätzung zu etablieren.
  • Vernetzung und Sichtbarkeit stärken:
    Laufende Aktivitäten zur Etablierung von Forschungssoftware sollten sich noch stärker mit bestehenden Initiativen und Netzwerken in Deutschland als auch europa- und weltweit verbinden. Dadurch gilt es, den Austausch im gesamten Kreis der Open Science und Open Access Initiativen und weiterer Projekte zu fördern, belastbare Strukturen zu schaffen und die Entwicklung und Bereitstellung von offener Forschungssoftware nachhaltig zu sichern.

Offene Forschungssoftware – Stand, Herausforderungen, Perspektiven

Dass das Thema offene Forschungssoftware als eine gemeinschaftliche Aufgabe zu verstehen und anzugehen ist, zeigte sich auch bei der virtuellen Veranstaltung „Offene Forschungssoftware. Stand, Herausforderungen, Perspektiven“ am 12. Mai 2025, zu der sich über 100 Interessierte auf Einladung des BMFTR zuschalteten. Nach Impulsvorträgen von Christine Regitz (Präsidentin der GI – Gesellschaft für Informatik) über die Bedeutung unterstützender Infrastrukturen für offene Wissenschaft und Prof. Dr. Sabina Leonelli (Technische Universität München) zu den Bedingungen erfolgreicher offener Forschungssoftware präsentierten Dr. Jürgen Streicher (JOANNEUM RESEARCH) und Clemens Blümel (DZHW) die zentralen Ergebnisse ihrer Studie zu „Open Research Tools“.

Über das Spannungsfeld Open Access, der Situation in Deutschland im Vergleich zu Europa und deren mögliche Verbesserung fand im Anschluss an die Vorträge eine lebhafte Diskussionsrunde statt, an der sich neben den Studienautoren auch Ralf Klinkenberg (Co-Founder RapidMiner GmbH, jetzt Altair Engineering/Siemens) als Diskussionspartner beteiligte. Die Diskussion stand als „Fishbowl“ darüber hinaus allen Gästen der Online-Veranstaltung offen. 

Open Source Forschungssoftware und Open Science

Der Weg zu mehr offener Forschungssoftware als ein wesentlicher Bestandteil einer offenen Wissenschaftskultur ist eine Gemeinschaftsaufgabe aller im Forschungsökosystem aktiven Akteure, Organisationen und Initiativen. Mit der Veranstaltung und der Studie unterstützt das BMFTR den dafür nötigen Diskurs zur Ausgestaltung und Rahmung von offener Forschungssoftware und bringt die Auseinandersetzung mit dem Thema weiter voran.

Streicher, J., Schütz, M., Blümel, C., & Schniedermann, A. (2025). Open Research Tools: Stand und Herausforderungen im Spannungsfeld von Forschungssoftware, Offenheit und digitaler Infrastruktur, beauftragt durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.15771943